Erzählung
176 Seiten
Mit Autorenbild
Leinen
Preis: 9,80 €

ISBN 978-3-928606-30-1
Henry James
Die Teuflischen  (The Turn of the Screw)

Aus dem Englischen von Dieter Martus.

Henry James ist kein Erzähler grauenhaften Geschehens, er ist ein Erzähler der Psychologie des Grauens. Und wie er dabei mit gekonnter Raffinesse beim Leser einen Zustand hochgradiger Angstlust erzeugt, das ist geradezu körperlich spürbar.
Viele Bearbeitungen in Film, Theater und Musik hat diese berühmte Erzählung erfahren. Doch das Original bleibt unübertroffen..



Der Inhalt
Die Teuflischen

Auf dem abgelegenen englischen Landsitz Bly kommt die Erzieherin zweier Waisenkinder unter ungeklärten Umständen ums Leben. Der in London lebende Vormund verpflichtet eine neue Gouvernante, die sich, trotz banger Vorahnungen, umgehend auf das Gut begibt und dort zwei Kinder vorfindet, deren scheinbar engelhafte Schönheit und Liebenswürdigkeit sie in einen geradezu missionarischen Erziehungseifer versetzt. Doch schon bald ereignen sich mysteriöse Vorfälle. Tot geglaubte Personen tauchen auf, in der offenbaren Absicht, sich der Kinder zu bemächtigen. Diese scheinen es zu wissen; aber warum versuchen sie es zu verbergen? Besessen von dem Wunsch, den Kindern ein Eingeständnis zu entlocken und sie von allem Bösen zu befreien, setzt sie ein Peinigungswerk in Gang, das in einer Katastrophe endet.
Während sich der Leser vordergründig am Geschehen einer Horrorgeschichte entlangtastet, führt ihn der Autor raffiniert immer tiefer ins Dunkel völliger Orientierungslosigkeit. Keine Erzählung der modernen Literatur hat so viele Deutungen erfahren. Ist es ein Sinnbild dafür, daß erzieherische Obsession weit gefährlicher sein kann als jegliche Geistererscheinung? Ist es die Allegorie von den gefallenen Engeln, die im Umgang mit der Welt ihre Unschuld verlieren? Oder ist es die pathologische Leidensgeschichte einer von sexueller Frustration und Einsamkeit gequälten Erzieherin, die das Idealbild des geliebten Mannes auf die Kinder projiziert, bis ihr überhitzter Gemütszustand in Halluzination, Mißtrauen und Rachsucht umschlägt, die den Tod des Knaben als Symbol für die Hoffnungslosigkeit ihrer Liebe in Kauf nimmt? Sicher ist nur eines: Henry James versteht es, den Leser bis zum bitteren Ende in einen Zustand hochgradiger Angstlust zu versetzen.
Der Autor
Henry James

Henry James wurde dam 15.4.1843 in New York geboren. In privatem Schulunterricht in Amerika und Europa zum Weltbürger erzogen, begann er, nach kurzem Jurastudium, Kurzgeschichten und Kritiken für Zeitschriften zu schreiben. 1875 übersiedelte er nach Paris und ein Jahr später nach England, seiner künftigen Wahlheimat. In den Jahren 1904/1905 unternimmt er noch einmal eine Reise nach Amerika, kehrt aber enttäuscht nach England zurück, wird 1915 britischer Staatsbürger und stirbt am 28.2.1916 in London. Die von ihm selbst erfahrenen Widersprüche zwischen amerikanischer und europäischer Kultur bilden eines der bevorzugten Themen seiner großen Romane. Daneben entstehen eine Reihe meisterhafter Erzählungen, darunter The Turn of the Screw (1898). Seine Prosa gleicht einem psychologischen Spiel von Aktion und Reaktion, wobei mittels kunstvoller Verzögerungen die Charaktere bis in ihre letzte Seelenfalte ausgeforscht werden. Alles äußere Geschehen kristallisiert sich in inneren Monologen der Hauptperson, während sich die psychologischen Beziehungen in hintergründigen Dialogen entwickeln. Nach seiner Auffassung soll dabei die Sprache nicht nur Mitteilungsfunktion haben, sondern durch bewußt überfeinertes Arrangement zum zusätzlichen Bedeutungsträger werden. Diese Besonderheit, verbunden mit dem oft quälend langsamen Tempo der Situationsentfaltung, bereitet nicht nur höchsten Lesegenuß, sondern zwingt den Leser zu maximaler Aufmerksamkeit. Kein Wunder, daß Henry James zeitlebens ein großer Publikumserfolg versagt blieb. Heute zählt sein wegweisendes Werk zu den Glanzlichtern moderner Erzählkunst. Neben Dostojewski, Proust und Joyce gehört er zu den größten Psychologen der Weltliteratur.