Erzählung
144 Seiten
Mit Autorenbild
Leinen
Preis: 9,80 €

ISBN 978-3-928606-29-5
Lew N. Tolstoi
Die Kreutzersonate

Man kann diese Sittenpredigt heute mit dem gleichen Vergnügen lesen wie die Schilderung des Mörders, der sich in Strümpfen seinem Opfer nähert, während der vermeintliche Liebhaber Schutz unter dem Klavier sucht. Die meisterhaften Charakterisierungen machen die von ironischen Untertönen durchzogene und psychologisch subtil gestaltete Erzählung zu einem unvergeßlichen Lesegenuß.
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Der Inhalt
Die Kreutzersonate

Während einer nächtlichen Eisenbahnfahrt erfährt das belanglose Gespräch der Reisenden eines Abteils eine unerwartete Wendung. Ein aus der Haft entlassener Gutsbesitzer beginnt die Geschichte seiner Ehe zu erzählen.
In der Art einer Lebensbeichte schildert er die Stationen eines trostlosen, auf einer Lüge gegründeten Zusammenlebens, einer von zunehmender Verbitterung und Haß geprägten Ehehölle. Als eines Tages ein Musiker auftaucht, ein Geiger, der mit den stimulierenden Mitteln der Musik die Ehefrau zur Untreue zu verleiten scheint, beginnt eine dramatischen Entwicklung, die im aufwühlenden Presto von Beethovens Kreutzersonate ihre symbolische Entsprechnung findet: In rasender Eifersucht tötet der in seiner Eitelkeit verletzte und in seinem Selbstmitleid verstörte Ehemann seine Frau.
In kunstvoller Technik gelingt es Tolstoi den Handlungsverlauf immer wieder mit puritanischen Hinweisen auf die vermeintlichen Entstehungsursachen allgemeiner Sittenverderbnis zu verzögern: auf die Sklavenhalterei in der Ehe, auf den unmoralischen Einfluß von Mode und Musik und auf die Errungenschaften ärztlicher Kunst, die jeglicher sexuellen Ausschweifung Vorschub leisten.
Man kann diese Sittenpredigt heute mit dem gleichen Vergnügen lesen wie die Schilderung des Mörders, der sich in Strümpfen seinem Opfer nähert, während der Liebhaber Schutz unter dem Klavier sucht. Die meisterhaften Charakterisierungen machen die von ironischen Untertönen durchzogene und psychologisch subtil gestaltete Erzählung zu einem unvergeßlichen Lesegenuß.
Der Autor
Lew N. Tolstoi

Lew N. Tolstoi wurde am 9.9.1828 als Sproß eines alten Adelsgeschlechts auf dem Gut Jasnaja Poljana geboren. Nach Abbruch des Studiums, kurzem Militärdienst im Kaukasus und ersten literarischen Erfolgen, kehrt er hierher zurück, um mit der Gründung einer Schule für Bauernkinder seinem ausschweifenden Leben einen moralischen Halt zu geben.
Auf zwei Auslandsreisen sucht Tolstoi Anregungen für sein pädagogisches Vorhaben. Dabei begegnet er Berthold Auerbach, dessen vielgelesene Dorfgeschichten seinen eigenen Ideen besonders nahe standen. (In dieser Reihe erschienen unter dem Titel: "Der Tolpatsch").
Wieder in Rußland, beginnt er eine Theorie des Asketentums zu entwickeln und mit selbstauferlegten Verhaltensmaßregeln in die Tat umzusetzen. Gleichzeitig entstehen, von der Zensur argwöhnisch beobachtet, Meisterwerke der Weltliteratur wie "Krieg und Frieden" und "Anna Karenina". Als dann 1820 die "Kreutzersonate" erscheint, kommt es zum Eklat. Die Zensur verweigert die Druckerlaubnis und die kirchliche Exkommunizierung wird vorbereitet. Doch zu dieser Zeit war Jasnaja Poljana bereits zu einem Wallfahrtsort geworden. Der Graf im Bauernkittel, der Religionsstifter mit dem Mythos eines urchristlichen, nach Selbstvervollkommnung strebenden Menschen wurde von seinen Jüngern wie ein Heiliger verehrt.
Die im Lauf der Jahre durch gegenseitiges Unverständnis mehr und mehr zerrüttete Ehe mit Sofia Andrejevna ist dieser Entwicklung nicht mehr gewachsen. In einer Nacht verläßt der 82jährige in offenbar panischer Flucht das Haus mit unbekanntem Ziel. Wenige Tage später, am 20. November 1910, stirbt er auf der Bahnstation Astapovo.