Erzählung
160 Seiten
Mit Autorenbild
Leinen
Preis: 9,80 €

ISBN 978-3-928606-28-8
Arthur Schnitzler
Casanovas Heimfahrt

Der alternde Casanova, Held unzähliger Liebesabenteuer, ist auf dem Weg zurück in seine Heimatstadt Venedig. Da begegnet er der jungen Marcolina und muß erstmals erkennen, daß er mit seinem Werben auf Ablehnung, ja sogar auf Abscheu stößt. Um sich dennoch eine Liebesnacht zu erschleichen, greift er zu einer erbärmlichen List und bereitet damit seinen eigenen Abstieg zu einem ruhmlosen Ende vor..
Der Inhalt
Casanovas Heimfahrt

Der alternde Casanova, Held unzähliger Liebesabenteuer, ist auf dem Weg zurück in seine Heimatstadt Venedig. Als er während eines kurzen Aufenthaltes der jungen Marcolina begegnet, scheint eine lebenslange Sehnsucht nach der reinen und selbstlosen Liebe in Erfüllung zu gehen. Aber gerade hier muß er erkennen, daß seiner Werbung mit Ablehnung, ja sogar mit Abscheu begegnet wird. Da greift er zu einer erbärmlichen List. Im Schutz der Dunkelheit und unter der vorgetäuschten Identität ihres jungen Liebhabers, erschleicht sich Casanova bei Marcolina eine Liebesnacht. In einem leidenschaftlichen Spiel aus Täuschung und Selbsttäuschung genießt er noch einmal den ekstatischen Rausch vergangener Zeiten. Aber mit dem grausam ernüchternden Erwachen beginnt zugleich das ruhmlose Ende dieses alten Liebesabenteurers. Tief gedemütigt muß er erkennen, daß er seine Jugend endgültig verloren hat, daß er den Frauen, die er begehrt, nichts mehr bedeutet und daß er, der nur noch mit Betrug sein Ziel zu erreichen vermag, sich an der Liebe selbst vergangen hat.
Als er die Stätte seiner Schmach verläßt und dabei von dem jungen Liebhaber Marcolinas gestellt wird, tötet er diesen im Duell und vollzieht damit gleichsam einen symbolischen Selbstmord. So gerät Casanovas Heimfahrt nach Venedig schließlich zur Flucht, aber zur Flucht in jene Stadt, deren Machthaber ihn einst wegen Gottlosigkeit in den Kerker warfen und die nunmehr eine letzte Demütigung für ihn bereithalten.
Der Autor
Arthur Schnitzler

Arthur Schnitzler wurde am 15. Mai 1862 in Wien als Sohn eines Arztes geboren. Nach dem Studium der Medizin und nach einem einjährigen Militärdienst arbeitete er als Assistenzarzt bei seinem Vater in der Wiener Poliklinik. Nach dessen Tod eröffnet er eine Privatpraxis, doch seine eigentliche Neigung gehört der Literatur. Er veröffentlicht Gedichte, Prosa und Theaterstücke und wird zu einem der herausragenden Repräsentanten des Wiener Impressionismus. Aus dem Lebensgefühl der Jahrhundertwende mit seiner Mischung aus Melancholie und Resignation erwächst Schnitzlers medizinisches und literarisches Interesse an den Grenzbereichen zwischen Traum und Wirklichkeit. Mit großer Stilsicherheit und ironischer Distanz vollzieht er seine psychologischen Beobachtungen und durchleuchtet spielerisch und provozierend zugleich die menschliche Triebnatur. Dabei bedient er sich auch der von ihm entwickelten epischen Technik des inneren Monologs, bei dem alles äußere Geschehen ausschließlich über die subjektive Wahrnehmung der Hauptperson zur Darstellung kommt. Die Unerbittlichkeit seiner Seelenanalysen blieb für Schnitzler nicht ohne Folgen: der Vorwurf der Pornographie und der Ehrverletzung führte zu Aufführungsverbot und Verlust des Offiziersrangs. Aber sein Erfolg war nicht mehr aufzuhalten. Als Arthur Schnitzler am 21. Oktober 1931 starb, war er bereits ein anerkannter Erzähler und einer der meistgespielten deutschsprachigen Dramatiker.