Erzählung
152 Seiten
Mit Autorenbild
Leinen
Preis: 9,80 €

ISBN 978-3-928606-27-1
Honoré de Balzac
Der Pfarrer von Tours

Aus dem Französischen von Ursula Rossbach.

In Tours, einer kleinen Stadt der Touraine, durchbricht ein banales Ereignis die Oberfläche des beschaulichen Provinzlebens. Damit beginnt eine jener kleinen Tragödien, in denen festgefügte Ordnungen zerbrechen, Intriganten triumphieren und die Schwächsten einem skrupellosen Machtgerangel zum Opfer fallen.
Der Inhalt
Der Pfarrer von Tours

In Tours, einer kleinen Stadt in der Touraine, geht das Leben seinen gewohnten Gang. Man schätzt den häuslichen Frieden, gibt kleine Gesellschaften, wagt ein Kartenspielchen und bespricht anstehende Beförderungen. Von einer dieser Gesellschaften kehrt eines Abends Abbé Birotteau, der Pfarrer von Tours, voller Wohlbehagen über seine bevorstehende Rangerhöhung, nach Hause zurück. Doch er steht vor verschlossener Tür. Damit beginnt eine jener kleinen Tragödien, bei denen plötzlich unter der glatten Oberfläche des Provinzlebens ein hemmungsloser Kampf um Macht und Ämter sichtbar wird. Im Mittelpunkt steht ein äußerst ungleiches Paar: Abbé Birotteau, ein einfältiger Priester, dessen Lebensinhalt sich in dem Wunsch nach einer behaglichen Wohnung und nach der Domherrenwürde erschöpft und sein Widersacher, Abbé Troubert, ein ehrgeiziger Machtmensch, intelligent und tatkräftig, der Großes hätte vollbringen können, wäre er nicht aufgrund eines pervertierten Egoismus zum dunklen Intriganten verkommen. Im Verlauf der Auseinandersetzung dieser beiden Geistlichen offenbart sich, wie nebenbei, ein beängstigendes Geflecht politischer Abhängigkeiten, das über Tours hinaus bis in die höchsten Ämter von Paris reicht. Mit beispielloser Hinterhältigkeit wird um Karrieren geschachert. Moralische Erwägungen gelten nur, solange sie dem Ziel nicht hinderlich sind. Und Birotteau, der Schwächste in diesem Spiel, wird am Ende zu einer skrupellos geopferten Schachfigur.
Der Autor
Honoré de Balzac

Honoré Balzac wurde am 20. Mai 1799 als Sohn eines Beamten der französischen Armee in Tours geboren. Er war Zögling eines Oratorianer-Internats und besuchte das Gymnasium. Ein Jura-Studium in Paris beendet er vorzeitig. Er gründet einen Verlag, betreibt eine Buchdruckerei und veröffentlicht unter klingenden Pseudonymen erfolglose Bücher. Das Unternehmen endet mit einem Bankrott. Aber eine unbändige Willenskraft treibt ihn zu immer neuen Vorhaben: er plant den Betrieb einer Silbermine auf Sardinien, er kandidiert für das Parlament und die Académie Française; alles ohne Erfolg. Doch seine Energie bleibt ungebrochen. Im 30. Lebensjahr gelingt der literarische Durchbruch. Gleichzeitig findet er Zugang zu den Pariser Salons und legt sich selbst das Adelsprädikat ›de‹ zu. Mit Besessenheit und einem Kaffeekonsum von bis zu 60 Tassen täglich geht er an die Verwirklichung seiner Vision: eine ›Comédie Humaine‹ zu schaffen, eine literarische Gesellschaftsgeschichte des aus den Fugen geratenen nachrevolutionären Frankreich. Seine Produktivität scheint unerschöpflich. Er reiht Meisterwerk an Meisterwerk, und es entsteht ein grandioses Panorama hemmungslosen menschlichen Machtstrebens, quer durch alle sozialen Schichten. Geplant waren 48 Titel, nur ein Teil konnte vollendet werden. Am 18. August 1850 starb Honoré de Balzac in Paris. Er wurde auf dem Père-Lachaise beigesetzt.