Erzählungen
160 Seiten
Mit Autorenbild
Leinen
Preis: 9,80 €

ISBN 978-3-928606-26-4
Anton Tschechow
Der Mensch im Futteral

Aus dem Russischen von Reinhold Trautmann und Hertha von Schulz.

Der Band enthält die Erzählungen: Der Tod des Beamten, Der Mensch im Futteral, Wanjka, Die Dame mit dem Hündchen, Krankenstation Nr. 6.

"Mit Ihren Erzählungen tun Sie etwas ganz Großes - Sie wecken in den Leuten Abscheu gegenüber diesem verschlafenen, halbtoten Leben - der Teufel soll es holen!" (Maxim Gorki in einem Brief an Tschechow)..
Der Inhalt
Der Mensch im Futteral

Wer sich auf Tschechows Erzählungen einläßt, wird sie so schnell nicht wieder los. Sie hinterlassen keine Moral, keine Nutzanwendung, sondern einen Stachel, der noch lange im Kopf verbleibt und die Vorstellungskraft des Lesers immer wieder herausfordert.
In sprachlich meisterhafter Kürze, oft nur in Andeutungen, entsteht eine Atmosphäre untergründiger Trauer über die durch menschliche Apathie und Resignation selbstverschuldete Hoffnungslosigkeit des Daseins.
Komisch und jammervoll zugleich sind diese Geschichten. Sie erzählen von den absurden Konsequenzen der Feigheit und des Duckmäusertums, von den erschütternden Hilferufen einfacher, einer inhumanen Umwelt ausgelieferter Menschen, von den tragischen Folgen einer Philosophie des Fatalismus und der Passivität gegenüber menschlichem Leid. Aber aus all dieser Indifferenz erwächst auch die vage Vorstellung einer Befreiung aus dem Gefängnis von Heuchelei und Tatenlosigkeit. So endet Tschechows schönste Liebesgeschichte 'Die Dame mit dem Hündchen' mit dem offenen Schluß: "Und es kam ihnen so vor, daß nur noch wenig fehle - und die Lösung würde sich finden lassen, und dann würde ein neues, schönes Leben beginnen...". Ob Wunschwelt oder Wirklichkeit, der Leser wird es immer wieder aufs neue entscheiden müssen.
Der Autor
Anton Tschechow

Anton Pawlowitsch Tschechow wurde am 17. Januar 1860 in der südrussischen Hafenstadt Taganrog geboren. Nach dem Besuch des Gymnasiums studierte er in Moskau Medizin und erhielt 1884 das Ärztediplom. Im gleichen Jahr zeigten sich erste Anzeichen einer Lungentuberkulose.
Bereits während des Studiums schrieb er mit Erfolg Theaterstücke und Kurzgeschichten. Er entwickelte eine neue epische und dramatische Technik und übernahm aus der Medizin die wissenschaftliche Objektivität als ästhetisches Grundprinzip: der Künstler soll nicht Richter sein, sondern objektiver Zeuge. Als Tschechow aber im Jahr 1890 die Strafkolonie auf der Insel Sachalin besuchte, da bleibt die Erfahrung der unmenschlichen Bedingungen des dortigen Strafvollzugs nicht ohne Einfluß auf seine literarische Arbeit. Stärker als zuvor durchzieht sein Werk jetzt ein bitterer und melancholischer Unterton, die Sehnsucht nach einer besseren Wirklichkeit. In diese Zeit fiel auch die freundschaftliche und ideelle Annäherung an Tolstoi und Gorki.
Er stand auf der Höhe seines literarischen Ruhms, als seine von ihm zeitlebens ignorierte Krankheit unübersehbar wurde. Von Reisen auf die Krim und nach Westeuropa erhoffte er sich Linderung. Er starb am 2. Juli 1904 während eines Kuraufenthaltes in Badenweiler.