Geschichten
160 Seiten
Mit Autorenbild
Leinen
Preis: 9,80 €

ISBN 978-3-928606-21-9
Oskar Panizza
Ein skandalöser Fall

Der Band enthält die fünf Geschichten: Die Kirche von Zinsblech, Ein skandalöser Fall, Das Wachsfigurenkabinett, Der Korsetten-Fritz, Die gelbe Kröte.
Das Werk dieses, wegen "Vergehens wider die Religion" und wegen "Majestätsbeleidigung" verurteilten und von der Justiz mundtot gemachten Autors wird bis heute kaum zur Kenntnis genommen..
Der Inhalt
Ein skandalöser Fall

Unerhörtes geschieht: In einer Dorfkirche treten die Heiligen eines Nachts aus ihren Nischen und machen Randale; der Teufel vergnügt sich in den Betten eines Klosterinternats; das Christliche Abendmahl wird zum Komödiantenspektakel, und eine exotische Menschenrasse ohne Kopf und Beine weilt zusammen mit einem gelbwarzigen Höllenreptil unerkannt in unserer Mitte. Immer wieder wird der Leser aus einer vertrauten Wirklichkeit in eine visionäre Gegenwelt geführt, in der die Grenzen zwischen objektiver Realität und individuellem Bewußtsein aufgehoben sind. Dieser Wechsel zwischen unterschiedlichen Ebenen der Wahrnehmung gerät dabei zu einem Verwirrspiel, in dem es keine "Normalität" mehr geben kann.
Panizzas Geschichten sind nicht nur Satiren gegen religiösen Wahn und sexuelle Unterdrückung, sie sind zugleich das erschütternde biographische Dokument eines hochsensiblen, bis heute unterschätzten Dichters, der sich am Ende seinen eigenen Visionen durch Flucht in die Isolation entzog.
Der Autor
Oskar Panizza

Oskar Panizza wurde am 12. November 1853 in Bad Kissingen als Sohn eines Hoteliers italienischer Herkunft geboren. Von seiner strengreligiösen Mutter für den Beruf eines Geistlichen bestimmt, litt er unter den Zwängen einer pietistischen Erziehung, von denen er sich später schreibend wieder zu befreien suchte. Nach einem Studium der Medizin in München und einer kurzen praktischen Tätigkeit als Psychiater, widmete sich Panizza überwiegend seinen literarischen Neigungen. In einem aufsehenerregenden Prozeß wurde der Dichter im Jahre 1895 für seine Satire "Das Liebeskonzil" wegen "Vergehens wider die Religion" zu einem Jahr Gefängnis verurteilt. Sechs Jahre später folgte eine abermalige Verurteilung wegen Majestätsbeleidigung, eine vorübergehende Einweisung in eine "Irrenanstalt" und schließlich die Entlassung und Einstellung des Verfahrens ohne Angabe einer Begründung. Das skandalöse Vorgehen der Münchner Justiz, sowie Panizzas wachsende Furcht vor einer erblich bedingten Geisteskrankheit, führte schließlich zu tiefer Depression. In der Hoffnung auf Heilung, provozierte er 1904 absichtlich seine Einweisung in eine Nervenheilanstalt. Er starb am 28. September 1921.