Novellen
161 Seiten
Mit Autorenbild
Leinen
Preis: 9,80 €

ISBN 978-3-928606-09-7
Guy de Maupassant
Pariser Abenteuer

Der Band enthält die sechs Novellen: Der Schmuck, Pariser Abenteuer, Fettklößchen, Simons Papa, Haus Tellier, Das Menuett.
In diesen berühmten Novellen karikiert Maupassant mit Sarkasmus die Verlogenheit und Feigheit etablierter Spießer und bigotter Heuchler. Es sind Grotesken voll bitterer Heiterkeit.
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Der Inhalt
Pariser Abenteuer

Fettklößchen, eine kleine Prostituierte, begibt sich zur Zeit der preußischen Besetzung Frankreichs auf eine Reise mit der Postkutsche in die Provinz. Bei einem Aufenthalt verweigert ein preußischer Stationsoffizier die Weiterfahrt um den Preis ihrer Gunst. Ihre Ablehnung, von den Mitreisenden zunächst lobend unterstützt, wird schließlich zum offenen Ärgernis. Mit heuchlerischen Reden bedrängen die Passagiere das Mädchen, endlich ihre "patriotische" Pflicht zu erfüllen und damit die Fortsetzung der Reise zu ermöglichen. Auf der Weiterfahrt am Morgen danach danken die ehrenwerten Bürger dem still vor sich hin weinenden Mädchen mit unverhohlen kalter Verachtung.
Wie in dieser Erzählung wird auch bei fast allen anderen hier vereinten Novellen die bittere Anklage Maupassants gegen bürgerliche Scheinmoral und Heuchelei deutlich. Voller Sarkasmus und in kunstvoll knapper Sprache karikiert er die Verlogenheit und Feigheit etablierter Spießer und bigotter Heuchler. Seine Sympathie gilt den Randfiguren der Gesellschaft, Menschen, deren Integrität oft erst hinter einem Verwirrspiel von Moral und Unmoral sichtbar wird. Die Grotesken, die daraus erwachsen, geben jedoch wenig Anlaß zur Heiterkeit. Fast immer sind sie bitterer Ausdruck von Selbstbetrug und verzerrte Spiegelbilder menschlicher Illusion.
Der Autor
Guy de Maupassant

Guy de Maupassant wurde 1850 vermutlich auf Schloß Miromesil als Sohn einer verarmten Adelsfamilie geboren. Die frühe Trennung seiner Eltern, die Enge eines kirchlichen Internats und die Einberufung zum Militär in den Jahren 1870/71 regen in dem Zwanzigjährigen bereits einen tiefen Widerwillen gegen alle gesellschaftlich sanktionierte Unterdrückung. Nach dem Krieg übernimmt er einen kleinen Posten als Ministerialbeamter und beginnt gleichzeitig unter der freundschaftlichen Leitung von Flaubert und Zola erste Novellen zu veröffentlichen. Als im Jahr 1880 "Fettklößchen" erscheint, wird er über Nacht berühmt und finanziell unabhängig. In rastloser und konzentrierter Arbeit veröffentlicht er in der Folge 6 Romane, mehrere Reiseberichte und etwa 260 Novellen. Fast alle seine Erzählungen sind durchzogen von einem zeittypischen, durch die Lektüre Schopenhauers noch verstärkten universalen Pessimismus. Der schwermütige Grundton von Hoffnungslosigkeit in einer Welt banaler Habgier und Triebe, steigert sich am Ende seines Lebens durch die Spätfolgen einer Krankheit zum selbstzerstörerischen Wahn. Nach einem mißglückten Selbstmordversuch wird Maupassant 1892 in eine Heilanstalt bei Paris eingewiesen Er stirbt dort ein Jahr später in geistiger Umnachtung.